„Ellen Babić“ / Schauspiel – 15.04.2026

Ellen Babić - Schauspiel von Marius von Mayenburg

"Ellen Babić" ist als Schlüsselfigur sowohl ein Symbol für berufliche und private Abhängigkeit als auch dafür, wie Macht ausgeübt und missbraucht wird." - Originalbeitrag von Birgit Landgraf

Mit Till Demtrøder, Katja Studt u a.

Regie: Sewan Latchinian
Ausstattung: Birgit Voß

„Ellen Babić“ ist der zweite Teil der aus den Stücken „Ex“, „Ellen Babić“ und „Egal“ bestehenden sogenannten Lockdown-Trilogie. „Ex“, inszeniert von Marius von Mayenburg, wurde am 30.9.2021 vom Riksteater Stockholm, „Egal“ – wie „Ellen Babić“ in der Regie von Benedict Andrews – am 10.2.2023 am Isländischen Nationaltheater Reykjavik uraufgeführt.

Produktion: Hamburger Kammerspiele / EURO-StUDIO Landgraf

 

Inhalt

Die Stücke von Marius von Mayenburg sind ein Paradebeispiel für das Well-Made-Play, das durch psychologische Genauigkeit der Charaktere und treffsichere Dialoge geprägt ist. Auch seine perfekt getimten, auf eine unvermeidliche Eskalation zulaufenden Beziehungssaltos und die Balance zwischen Unterhaltung und Anspruch sind charakteristisch für das Genre, das durch Yasmina Reza berühmt wurde.

Die Englischlehrerin Astrid lebt mit ihrer deutlich jüngeren ehemaligen Schülerin Klara seit zehn Jahren zusammen. Als Astrid ihren Vorgesetzen, den Schulleiter Wolfram Balderkamp nach Hause einlädt, um eine in der Schule begonnene Unterhaltung über einen brisanten »Vorfall«, der während ihrer Klassenfahrt nach Trier stattgefunden hat, fortzusetzen, reagiert Klara – wie sich im Verlauf der Handlung leider bestätigt – mit Recht nervös: Was passiert, wenn er sich an sie als ehemalige Schülerin an seiner Schule erinnert?
Unter dem Vorwand, Astrid zu »schützen«, möchte Balderkamp den »Vorfall« lieber privat und nicht in der Schule mit ihr besprechen. Wie sich später herausstellt, sind seine Motive nicht ganz so selbstlos, wie er vorgibt. Es geht dabei um den Vorwurf der sexuellen Belästigung, den der Vater der 16-jährigen Ellen telefonisch gegen Astrid erhoben hat. Auf der Klassenfahrt soll Astrid ihre Schülerin Ellen, der nach eigener Aussage »plötzlich schwindlig« war, obwohl sie kaum etwas getrunken hatte, mit K.o.-Tropfen betäubt und unsittlich berührt haben.
Astrid widerspricht. Sie war bereits im Bett, als zwei Mädchen anklopften und sie baten, schnell mit zum Waschraum zu kommen, weil es Ellen so schlecht ging. Da Ellen in einem Hochbett schlief, brachten sie sie gemeinsam in ihr eigenes Zimmer und legten sie in ihr Bett. Dann haben sie ihr »das vollgekotzte T-Shirt« ausgezogen und ihr, nachdem sie sich noch »zwei, dreimal übergeben hatte, Wasser mit Elektrolyt eingeflößt«, sodass sie »am nächsten Morgen wackelig, aber nicht mehr krank war«.
Wird Astrid zu Unrecht des Missbrauchs einer Minderjährigen beschuldigt? Oder möchte die Schülerin ihren Vater davon überzeugen, dass ihr Absturz kein Ergebnis von Komasaufen war, sondern dass ihr Zustand durch äußere Einwirkung verursacht wurde?
Wie eine Spinne webt Balderkamp mit den mehr oder weniger versteckten Drohungen seiner Befragung ein gefährliches Netz, in dem er Astrid fangen will. Als er auch Klara, deren Beziehung zu Astrid auch während einer Klassenfahrt nach Trier begonnen hat, in seine Angriffe einbezieht, geht Astrid zu einem furiosen Gegenangriff über und wirft ihm – nun ihrerseits drohend – nicht nur seine jahrelangen, zunächst noch als »väterliche Fürsorge« getarnten sexuell konnotierten Bemerkungen vor, sondern auch seine aufdringlichen »zufälligen Berührungen«, die sie, wie sie behauptet, penibel in einem Heft notiert hat.

Marius von Mayenburg meistert in seinem Psychokrimi die Herausforderung, die vielen Aspekte und unvorhersehbaren Wendungen des toxischen Konflikts geschickt im Gleichgewicht zu halten. Unvergesslich wird das Stück durch die Kunstfertigkeit der Dialoge und die Fähigkeit, individualisierte Charaktere ins Allgemeingültige zu erheben.

 

TICKETS

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Termin: 15.04.2026 20:00 Uhr, Einlass ab 19:00 Uhr

Veranstaltungsort: Stadtsaal Frechen

 

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite der Stadt Frechen.

 

Foto: Stadt Frechen